Die Verfeinerung der Dicken Bohnen

von Nina Brnada

Bohnen gelten nicht gerade als feine Kost. Die Dicke Bohne könnte diesen Ruf retten. Lediglich mit Salz und Butter verfeinert ist sie eine zarte Vorbotin des Sommers.

Von Nina Brnada

Hülsenfrüchte scheinen immer etwas für harte Männer gewesen zu sein, die auf geschmackliche Verfeinerung wenig geben. Vor allem Bohnen. Bohnensuppen, gebackene Bohnen, Bohnen mit Speck. So etwas essen Bud Spencer, Terence Hill und der Marlboro-Mann von ausgebeulten Blechtellern am Lagerfeuer. Bohnen gelten nicht unbedingt als raffinierte Kost.

So hat auch die Dicke Bohne, die es jetzt im Frühjahr wieder gibt, im Volksmund recht unelegante Namen. Sie wird Ackerbohne, Puffbohne, Pferdebohne, Saubohne und Schweinsbohne genannt. Im Europa des Mittelalters war die Dicke Bohne eines der wichtigsten Nahrungsmittel des Menschen. Heute wird sie hauptsächlich an Tiere verfüttert. Aber ausgerechnet die Dicke Bohne könnte den Ruf ihrer gesamten Art retten. Denn blanchiert mit etwas Salz und Butter zeigt sie sich von einer ungewohnt feinen Seite.

Die Bohnen stecken in grünen Hülsen, die sich so weich anfühlen wie ein Pyjama aus Flanell. Aus dieser Hülle werden die kleinen Früchte befreit (das nennt man Palen). Dann werden die Bohnen in kochendes Wasser gegeben, nach drei Minuten abgegossen und mit kaltem Wasser abgeschreckt. Jetzt werden die grünen Bohnen einzeln aus ihrer dicken, blassen Haut herausgepult. Am besten geht das mit den Fingern und ein wenig Geduld. Danach kommen sie noch lauwarm in einen tiefen Teller oder eine kleine Schüssel. Man gibt ein wenig Butter und Meersalz drauf und zerdrückt das Ganze mit der Rückseite einer Gabel. Dabei darf man nicht zu eifrig sein, es soll nämlich kein Püree daraus werden. Man hört also ruhig schon auf, wenn die Masse grobkörnig ist. Zu guter Letzt wird diese Paste auf ein Toastbrot gestrichen, das zuvor vielleicht mit etwas Knoblauch eingerieben wurde.

Die grünen Bohnen riechen nach frischen jungen Gräsern und schmecken angenehm nussig bis leicht herb. Sie haben eine ganz zarte Struktur, in etwa so wie sehr junge Erbsen, was die dicke Bohne zu einer überhaupt nicht derben Vorbotin des Sommers macht.

Der passende Wein ist ein kräftiger Riesling. Zum Beispiel einer mit dem wunderbaren Namen Seligmacher. Er stammt vom Weingut Eva Fricke aus dem Rheingau. Die 35-Jährige hat seit 2008 eine eigene Kellerei im Örtchen Kiedrich und produziert dort ausschließlich Riesling. Marlboro-Männer können den Korken ja mit dem Daumen eindrücken.

Dicke Bohnen mit Salz und Butter (für zwei Portionen)

zwei Handvoll dicke Bohnen
etwas Meersalz
etwas Butter
zwei Scheiben Toastbrot
eventuell etwas Knoblauch

Erschienen im ZEITmagazin 19/2012 Rubrik Wochenmarkt

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