Gottes teures Haus

von Nina Brnada

Die Erzdiözese Wien vermietete ein Haus billig an ein Paar mit der Bedingung, Wohnungen günstig an Studenten weiterzuvermieten. Vermietet wurde offenbar teuer an Flüchtlinge.

Text: Nina Brnada

Das Gebäude in der Alliiertenstraße 4 ist ein weißer, in die Jahre gekommener Neubaukasten – direkt bei der katholischen Kirche Am Tabor in Wien Leopoldstadt. In Internetanzeigen wird unter dieser Adresse eine „akademische Wohngemeinschaft“ beworben. Diese wird von Zuhari Yousif, einem syrischorthodoxen Iraker und seiner Frau, Christina Pfeifer-Yousif, betrieben. Die beiden sind nach eigenen Angaben zu jeweils unterschiedlichen Teilen Hauptmieter des Objekts, Eigentümer ist die Erzdiözese Wien.

Nun ist die Frage aufgetaucht: Hat das Ehepaar Yousif die Immobilie günstig angemietet und die Vorgaben der Erzdiözese ignoriert, um Wohnungen teuer (vor allem) an Flüchtlinge weiterzuvermieten? Es stellt sich die Frage, ob die Erzdiözese sich jahrelang nicht dafür interessiert und nicht registriert hat, dass das Paar mit der Unterbringung von Flüchtlingen offenbar gute Geschäfte macht.

Die Erzdiözese Wien sagt, mit dem Ehepaar Yousif sei vereinbart, dass sie Wohnungen an ausländische Studenten untervermietet. Prinzipiell sei nichts dagegen einzuwenden, „dass die Wohnungen an Asylwerber untervermietet“ werden. Dennoch spricht die Erzdiözese auf Nachfrage der „Presse am Sonntag“ vage von Problemen, die sie nicht weiter ausführt. Man sei dabei, die Mietverträge zu prüfen.

Das Ehepaar Yousif sagt, es wüsste nicht, was die Erzdiözese mit „Problemen“ meine, man verstehe die Welt nicht mehr. Vor einigen Wochen, erzählen sie, hieß es plötzlich, man wolle ihren Vertrag binnen eines Jahres auflösen. Dabei hätte die Erzdiözese sich in den vergangenen zehn Jahren kaum dafür interessiert, was in dem Haus passiert. Alle zwei, drei Jahre hätte es lediglich kurze Visiten gegeben.

Das Ehepaar macht kein Hehl daraus, dass bei ihnen viele Flüchtlinge untergebracht sind. Nur zehn Prozent der 59 Untermieter sind keine Flüchtlinge, insgesamt werden laut dem Ehepaar rund 1000 Quadratmeter untervermietet. Über die Miete, die das Ehepaar Yousif an die Erzdiözese zahlt, möchte diese nichts sagen. Zuhari Yousif meint nur: „Ich helfe den Flüchtlingen aus Nächstenliebe.“ Er selbst ist christlicher Theologe, ein Mann mit Dreitagesbart und Kreuz um den Hals.

Allerdings: Die Nächstenliebe dürfte sich auch finanziell auszahlen, denn Informationen aus kirchlichen Kreisen werfen Schlaglichter auf das Ausmaß der Einkünfte, die die Familie Yousif durch die Untervermietung an Flüchtlinge einnimmt. So sei etwa in einem Mietvertrag aus dem Jahr 2007 für eine Fläche von 101 Quadratmetern als Hauptmietzins 305 Euro vereinbart worden, heißt es in kirchlichen Kreisen. Das ist weniger als die Miete für die billigsten Zimmer, deren Preise laut den Eheleuten Yousif zwischen 330 und 370 Euro schwanken. Für dieses Geld gibt es ein Einzelzimmer, einen Kühlschrank im Zimmer, Internet sowie Gemeinschaftsräume wie Küche, Bad und WC, die sich jeweils rund ein halbes Dutzend Bewohner teilen.

Das Ehepaar Yousif möchte zu dem Mietbetrag, den es an die Erzdiözese überweist, nur so viel sagen: Die Miete sei zwar günstig, doch die Betriebskosten seien relativ hoch. „Für das Geld, das ich bekomme, stelle ich nicht nur Wohnraum zur Verfügung“, rechtfertigt sich Zuhari Yousif. „Ich bin hier auch ein Lebensbegleiter, helfe bei Amtswegen, Übersetzungen und gehe, wenn nötig, mit ihnen zum Arzt.“

Erschienen am 21. Dezember 2014 in Die Presse

 

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