Wiens Netzbetten wurden zersägt und eingeschmolzen

von Nina Brnada

Nina Brnada

Die Netzbetten sahen aus wie kleine Fallen: Maschen, die ein Gewölbe über dem Bett spannten und mithilfe der Gestelle kleine Zellen formten. Wer dahinter lag, schien in der Falle. Die Netzbetten sind heute das Relikt einer überholten Praxis in den Psychiatrien. Dass es aber gar nicht so lange her ist, dass diese Anwendung fand, zeigten etwa die Kontrollbesuche der Kommission der Volksanwaltschaft.

Vergangenes Jahr noch kritisierte sie nämlich den Einsatz dieser Ungetüme – ein klarer Widerspruch zu internationalen Menschenrechtsstandards. Und auch der UN-Ausschuss gegen Folter (CAT) bewertet den Einsatz von Netzbetten als erniedrigend und menschenunwürdig.

Die Volksanwaltschaft kritisierte zudem, „dass Netzbetten ständig präsent und für andere Patientinnen und Patienten sowie Besucherinnen und Besucher sichtbar sind“.

Nun aber gehört deren Verwendung endgültig der Vergangenheit an. Nachdem der damalige Gesundheitsminister Alois Stöger sie vergangenes Jahr verboten hatte, sind sie seit 1. Juli nicht mehr in Verwendung. Sie wurden aus den vier Wiener psychiatrischen Stationen abtransportiert, zerlegt, das Metall eingeschmolzen und recycelt.

Erschienen im Falter Ausgabe 28 / 2015

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