Eine Erinnerungstafel für den Ökonomen Karl Polanyi

von Nina Brnada

Nachgesehen Ein Wiener Schauplatz, an dem kleine oder große Politik stattfindet

Einige Dutzend Menschen drängen sich um das Tor der Vorgartenstraße 203 in Wien-Leopoldstadt. Vorn steht eine ältere Frau, sie spricht einmal deutsch, einmal englisch. Kari Polanyi Levitt ist die Tochter des großen Gesellschaftstheoretikers Karl Polanyi, der mit seiner Familie von 1924 bis 1933 an dieser Adresse wohnte. In den 30er-Jahren emigrierte er mit Tochter Kari und seiner Frau, der Historikerin Ilona Duczynska. Wien jedenfalls hatte ihn bald vergessen. In der Emigration schrieb er mit „The Great Transformation“ eines der wichtigsten Werke der neueren Wirtschaftsgeschichte. 70 Jahre danach bekommt das Haus, in dem Polanyi wohnte, eine Erinnerungstafel, gestiftet von Soziologen aus Österreich und Deutschland.

Die Familie, die heute in der einstigen Wohnung der Polanyis lebt, lud in ihr Wohnzimmer und reichte Brötchen und Sekt. Polanyis Tochter, selbst Ökonomin in Kanada, sagt, „früher wirkte dieses Zimmer größer“.

Erschienen in Falter 35/2015

 

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