Die Flüchtlinge auf der Straße und die Wiener auf dem Heldenplatz

von Nina Brnada

Nachgesehen Ein Wiener Schauplatz, an dem kleine oder große Politik stattfindet

Es war vielleicht gut gemeint, für die große Flüchtlingsdemo vergangenen Samstag überdimensionierte Bilder von Flüchtlingen und deren Helfern auf dem Straßenbelag der Mariahilfer Straße zu plakatieren. Aber für diejenigen, die darauf gingen, war es auch ein wenig unangenehm. Schließlich stapfte man über Bilder von Gesichtern, mit jedem Schritt trat man auf eine Nase, ein Auge, Stirn, Zähne.

Tausende Wienerinnen und Wiener schritten über diese Konterfeis vom Westbahnhof zum Heldenplatz. Laut Polizei waren bis zu 120.000 Menschen beim dortigen Konzert von Konstantin Wecker, Conchita, Soap&Skin, Seiler und Speer, Bilderbuch oder den Toten Hosen.

Bundespräsident Heinz Fischer hielt eine Rede, einige Flüchtlinge kamen auf die Bühne und erzählten von ihrer Flucht. Und das Lichtermeer erglühte im Jahr 2015 nicht durch Kerzenschein, sondern mittels der Taschenlampenfunktion der Smartphones.

Erschienen in Falter 41/15

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